#086 Die AU ab Tag 1 – Die Reform im Faktencheck
Shownotes
Wird unser Wirtschaftsstandort durch steigende Fehlzeiten bedroht oder machen wir einfach nur blau? Und welche Folgen hat die neue Attestpflicht wirklich?
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum aktuell so viel über Krankmeldungen, Arbeitsmoral und den wirtschaftlichen Schaden diskutiert wird. Gemeinsam hinterfragen wir, was die neuen Regelungen wirklich bedeuten, wo vielleicht Symbolpolitik betrieben wird und wie wir als Unternehmen und Führungskräfte der Sache auf den Grund gehen können, ohne das Vertrauen unserer Teams aufs Spiel zu setzen.
Die 3 wichtigsten Take-aways:
- Attestpflicht ab Tag 1 – Fluch oder Segen? Erfahre, was das Gesetz tatsächlich ändert und welche Stolperfallen und Nebenwirkungen du kennen solltest.
- Präsentismus: Wenn Anwesenheit mehr schadet als hilft Entdecke, warum die stille Anwesenheit Kranker ein oft unterschätztes Risiko birgt und wie du im Team darauf reagieren kannst.
- Mythen und Wahrheiten über Krankmeldungen Wir zeigen dir, warum nicht jeder Verdacht auf Blaumachen berechtigt ist und wie du die wahren Ursachen für hohe Ausfallzeiten finden kannst.
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Transkript anzeigen
00:00:05: Hallo und herzlich willkommen zur sechsohnachtzigsten Episode unseres Podcasts Endlich Montag.
00:00:10: Dem Podcast, in dem wir versuchen werden den er zu bringen was das Geheimnis gesunder und erfolgreicher Unternehmen ist.
00:00:17: Ja mein Name ist Wolfgang König und zunächst begrüße ich wie immer meinen Kollegen Mark Sommer.
00:00:21: hallo mark
00:00:23: ja hallo zusammen hallo wolfgang.
00:00:26: ja mark heute müssen wir mal über ein Thema sprechen dass in den letzten wochen eine enorme gesellschaftliche und politische Dynamik entwickelt hat.
00:00:36: Das geht um Begriffe wie Leistungsverweigerung, vielleicht Verweichlichungen auch... Und eine These das Deutschland kollektiv krankfeiert!
00:00:47: Wenn man den führenden Politikern zumindest in den Talkshows so zuhört dann entsteht ja eigentlich der Eindruck wir Deutschen legen nur noch im Bett und würden uns wegen jedem Zwicken im C direkt krank schreiben lassen.
00:00:59: Lassen's da mal ganz sachlich einsteigen.
00:01:02: Also ist Deutschland einfach müde geworden, Marc?
00:01:05: Ja in der Tat.
00:01:06: Das erhitzt die Gemüter im Moment ziemlich stark und ich muss ehrlich sagen wenn ich mich auch in die Lage eines mittelständischen Unternehmers oder einer HR-Leitung versetze dann kann ich die Frustration rational durchaus nachvollziehen.
00:01:21: ja denn die nackten Zahlen der Krankenkassen nügen hier nicht.
00:01:25: aber wir haben in den letzten zwei Jahren historische Höchststände erreicht Im Schnitt fast zwanzig fehl Tage pro Beschäftigten im Jahr.
00:01:33: Vor zehn Jahren lagen wir noch bei zwölf bis fünfzehn Tagen, das ist ein massiver Sprung und der unsere Wendbewerbsfähigkeit auch real gefährdet.
00:01:42: Wenn die Bänder stillstehen kostet dass die Wirtschaft Milliarden also betriebswirtschaftlich absolut valider Punkt.
00:01:49: Ja da bin ich völlig bei dir Ich glaube die allermeisten Und wir ja auch alle bei den besorgten Betrieben.
00:01:59: Also der wirtschaftliche Schaden ist real.
00:02:01: Wir haben ja auch schon öfter darüber gesprochen, wir haben ja unsere eigenen Berechnungen aufgesprochen hier von bis zu hundert Milliarden Euro Wertschöpfungverlust pro Jahr oder mehr.
00:02:11: aber das Problem dass ich sehe aktuell ist so ein klassischer Diagnosefehler also also eine absolut richtige schmerzhafte Diagnosis wir haben zu viele Fehlzeiten wird so mit etwas populistischem so verknüpft.
00:02:26: Und das ist gerade, was behauptet wird die Menschen machen alle blau weil sie keine Lust mehr haben oder Work-Live Balance für alles stellen und so weiter.
00:02:36: Das ist ja dann keine Analyse und es ist eher eine Erzählung, die auf das Ganze übertragen wird.
00:02:44: Da möchten wir mal drüber sprechen glaube ich heute ganz intensiv.
00:02:48: Na klar der Mensch hat immer Tendenz nach einfachen Lösungen zu suchen.
00:02:52: Aber schauen wir mal wirklich in die Praxis.
00:02:54: Ich bin jetzt Teamleiter und ich sehe, dass die Krankmeldungen parallel zu den Debatten über die vier Tagewoche nach oben schießen.
00:03:03: Da denke ich mir doch mensch... Der Verdacht ist nahe der berüchtigte Brückentag-Schnupfen.
00:03:10: Den gibt's hier nun mal?
00:03:11: Ist das nun alles nur ein Mythos?
00:03:15: Das wäre ja auch naiv.
00:03:16: also jedes System hat Trittbrettfahrer wenn man es so sagen will.
00:03:21: Also wenn jemand nach einem Festivalwochenende Montagsblau macht, dann ist das aber auch ein Führungsthema.
00:03:30: Dass im Betrieb gelöst werden muss... Aber schauen wir uns noch mal die Relationen an!
00:03:35: Der große Anteil dieser historischen Höchststände geht ja eben nicht auf diese eintägigen Schnupfen.
00:03:41: oder dass der Montag nach dem Wochenende zurück.
00:03:44: Wir hatten eine massive Welle an Atemwegserkrankungen nach den Corona-Jahren Und was viel schwerer wird, ja auch einen gigantischen Anstieg bei den psychischen Erkrankungen.
00:03:53: Burnoutere Pressionen, eine schwere Belastungsstörung und das simuliert man nicht für ein langes Wochenende.
00:04:01: Das sind statistisch gesehen oft monatelange Ausfälle und die machen diese hohen Zahlen noch aus.
00:04:05: Ja absolut!
00:04:07: Da entsteht natürlich ein Torvilskreis.
00:04:09: Wenn in einem Zehnerteam zwei Leute monatellange ausfallen dann müssen die anderen acht die Arbeit auffangen.
00:04:16: Und natürlich steigt an deren Belastung auch erheblich Und das ist dann so ein Risiko, weil es dumm nur Effekt ist.
00:04:21: Dann bringen die nächsten zusammen ja?
00:04:24: Also der Krankenstand füttern sich sozusagen selbst.
00:04:28: Schauen wir mal wenn die Politik die AU-Abtag eins fordert... ...ist es ja der Versuch doch irgendwie eine Hürde aufzubauen um dieses Heißlaufen vielleicht irgendwie zu bremsen.
00:04:41: Ist zunächst mal oder wirkt wie ein nachvollziehbarer Kontrollhebel, oder?
00:04:45: Ja um mal bei deinem Bild zu bleiben.
00:04:47: Das heißt laufen Sie also.
00:04:48: der Wunsch zu löschen wenn die Hütte brennt ist ja verständlich und das wollen wir alle aber man muss halt dort ansetzen wo das Feuer entsteht.
00:04:55: Also wenn wir über die EU ab dem ersten Tag sprechen dann reden wir über Kurzzeiterkrankungen von allen zwei vielleicht drei Tagen Und diese machen zwar viele Meldung aus verursachen aber laut krankenkassen Daten gerade einmal magere fünf bis sieben Prozent, aktuell sieben prozent aller Fehltage in Deutschland.
00:05:15: Tatsächlich nur fünf bis Sieben Prozent?
00:05:17: Ja genau und selbst wenn man im diesem Bereich durch maximale Härte Bürokratie etc.
00:05:27: komplett auf null reduzieren würden was utopisch ist nebenbei bemerkt dann hätten wir fast nichts eigentlich vom Gesamtproblem gelöst.
00:05:35: das ist schon mal ein ganz wichtiger Punkt finde ich.
00:05:38: Aber wir schaffen uns durch diese Lösung oder diesen Vorschlag, der jetzt umgesetzt werden soll sofort ein anderes Problem, das riesig ist meiner Meinung nach den Träsentismus.
00:05:50: Also wenn Menschen trotz Krankheit zur Arbeit kommen weil die Hürde für eine Krankmeldung zu hoch wird, kommen wir vielleicht noch drauf verschieben wir das Problem ja nur und diese Menschen arbeiten dann eingeschränkt machen Fehler und stecken am Ende das restliche Team an etc.
00:06:04: Oder
00:06:06: das Präsentismus, Thema ist natürlich riesig.
00:06:08: Das wissen wir ja vielleicht noch mal.
00:06:10: zur Erklärung was ist Präsensismus?
00:06:11: Dass es die Menschen sind am Arbeitsplatz aber aus unterschiedlichen Gründen nicht voll leistungsfähig oder leistuchsbereiter.
00:06:19: Ja Wolfren dann heißt dass der Kontrollversuch möglicherweise nach hinten losgehen könnte und dem Filzzeiten sogar im Team eher noch multiplizieren könnte.
00:06:30: Ja exakt also.
00:06:32: das ist eine Logik.
00:06:32: zumindest liegt sehr nah und wie du gesagt hast, die Wirtschaft leidet unter den Fehlzeiten.
00:06:39: Aber die Ursache ist keine kollektive Faulheit
00:06:42: so.
00:06:43: Und wer das behauptet betreibt meiner Meinung nach Symbolpolitik.
00:06:47: Ich möchte das so deutlich sagen und lenkt auch von den echten Belastungen am Ende ab.
00:06:53: Na gut da kommen wir auch direkt zu dem gefühlten Beschleuniger dieser Entwicklung.
00:06:57: auch viel diskutiert aktuell der telefonischen Krankschreibung.
00:07:02: Die Befürworter der Reform sagen ja, seit es die TelefonAU gibt sind die Zahlen explodiert.
00:07:09: Und das ist der beste Beweis für Missbrauch.
00:07:12: Gibt es denn da handfeste Daten, die aus deiner Sicht diesen Gefühl zusammen unterstützen?
00:07:18: Ja und das ist ja genau in diesem Zusammenhang die Gretchenfrage... ...und die Antwort ist ein klares Nein!
00:07:24: Also der Deutsche Hausärzteverband hat das kürzlich auch nochmal sehr transparent aufgeschlüsselt.
00:07:30: Also die telefonische Krankschreibung macht gerade einmal rund ein Prozent aller ausgestellten Krankenmeldungen in Deutschland überhaupt aus.
00:07:37: Ein einziges Prozent!
00:07:38: Gut, das ist natürlich nicht wirklich viel.
00:07:41: In der öffentlichen Wahrnehmung klingt das eher fast so nach der Hälfte aller Fälle?
00:07:46: Ja genau, das auch der Punkt.
00:07:49: Es wird hier ein riesiges politisches Fass aufgemacht für einen Phänomen was eher im homöopathischen Bereich liegt.
00:07:58: Und auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung übrigens, das DIW sagt ganz klar.
00:08:02: Es gibt bis heute keinen statistisch belastbaren Nachweis, dass die TLEAU den Krankenstand kausal nach oben getrieben hat.
00:08:10: Also wir wechseln ja hier oft Korrelation mit Kausalität ne?
00:08:14: Ja der Krankenstand der Stieg und wie du es gerade gesagt hast als die TleAU da war aber er stieg wegen realen Infektwellen und psychischen Belastungen nicht wegen des Telefonats mit dem Arzt.
00:08:28: Ja, verstehe ich von der Statistik ja klar.
00:08:31: Jetzt aber noch mal für einen Betrieb, in dem der Dienstplan wirklich auf Kante genäht ist und dann zählt jeder einzelne Tag.
00:08:39: Und die Sorge dass eine niedrige Hürde im Zweifelfall eher zum Höhere greifen lässt, ist doch menschlich absolut nachvollziehbar?
00:08:45: Absolut!
00:08:46: Aber die TLAU ist kein Freifahrtsschein den man sich per App klickt.
00:08:51: also man spricht immer noch mit einem Arzt der seine Patienten im besten Fall auch seit Jahren kennt.
00:08:57: Ja, oft ist das ja so und wenn wir diese Hürde jetzt künstlicher erhöhen um dieses eine Prozent zu jagen dann schießen wir uns als ich sage wirklich als Volkswirtschaft wirklich ins eigene Knie würde ich sagen also wir strafen ja damit umgekehrt die ehrlichen neunneinzig Prozent und überlasten die Praxen für ein gefühltes Missbrauchsproblem an den Rändern.
00:09:21: Ja gut, das hat natürlich möglicherweise auch einen psychologischen Effekt auf die Menschen.
00:09:28: Ich meine wenn Politiker hier Torsten Freitz zum Beispiel sagen einer Test ab dem ersten Tag sei nicht zu viel verlangt dann klingt das doch eigentlich ganz pragmatisch.
00:09:38: stellt sich dadurch die Frage wie kommt es denn bei den Beschäftigten an?
00:09:42: Also ich finde dass ist vielleicht sogar der entscheidende Punkt in dieser ganzen Sache.
00:09:47: also es geht ja wirklich um die Psychologie der Führung.
00:09:50: Offiziell soll die Reform die Wirtschaft stabilisieren.
00:09:54: Und jetzt sagt ja auch niemand explizit, wir halten euch alle für faul!
00:09:58: Aber die implizierte Botschaft steckt da im Prinzip zwischen den Zahlen ganz klar.
00:10:03: Wir vertrauen euch nicht und weil wir euch nicht vertrauen verschärfen wir die Kontrolle.
00:10:09: Gleichzeitig möchte man über die Berichtspflichten abschaffen.
00:10:13: Entlastet das sich trotzdem die Führungskräfte vor Ort?
00:10:16: Wenn hier staatlich dieser Standard Tag eins vorgegeben wird, dann kann ich doch sagen hey pass mal auf das ist nicht meine persönliche schickane.
00:10:26: Das ist jetzt eben gesetzlicher Standard.
00:10:28: Das macht doch für die Betriebe was zu einer weiße einfacher auch da klare kannte zu zeigen
00:10:35: ja es total spannender punkt.
00:10:37: das ist wirklich eine verlockende abkürzung würde ich sagen.
00:10:39: es ist aber auch ein gefährlicher trugschluss.
00:10:43: also vertrauen ist ja kein so schön wetter luxus sondern dass ist ja Vertrauen, ist ja sozusagen die Grundlage.
00:10:52: Es ist das Betriebssystem moderner Organisationen.
00:10:54: also wenn wir Misstrauen per Gesetz zum Standard erklären dann wird dieses, ich nehme den Begriff nochmal als Betriebesystem bei denen, ja, mit ninety-fünf Prozent der Beschäftigten, die absolut engagiert und ehrlich sind Bei denen wird das beschädigt.
00:11:13: Also diejenigen, die das System wirklich ausnutzen wollen Die hält auch einen Attestabtag einst nicht auf.
00:11:19: Also die gehen daneben zum Arzt.
00:11:22: Aber die loyalen Mitarbeiter, die stehen wirklich so kann man es ja fast... also muss man sie eigentlich einordnen, alle irgendwie unter Generalverdacht.
00:11:30: Man würde also die Mehrheit bestrafen und stückweit auch natürlich riskieren, die emotionale Bindung der Leistungsträger zu verlieren und dabei trotzdem das eigentliche Problem da nicht lösen.
00:11:43: Aber lasst uns mal das ganz konkrete physische Paradox von dahinter durchspielen Wenn der Start den Druck erhöht und sagt ab Tag eins müsst ihr zum Arzt.
00:11:54: Zwingen wir da möglicherweise sogar die Menschen damit nicht in längere Ausfallzeiten?
00:11:59: Ja, das ist genau diese Systemlogik eigentlich.
00:12:02: Die ist relativ klar finde ich.
00:12:04: Und also wenn du sagen mal mit einem Effekt Infekt aufwachst dann konntest du dich ja bisher einen Tag ins Bett legen.
00:12:12: Ich sag mal ein bisschen ausruhen viel Tee trinken was weiß ich und war es am nächsten Tag oft wieder fit.
00:12:18: Wenn jetzt aber am ersten Tag zum Arzt muss, läuft eine ganz andere Dynamik ab.
00:12:23: Also ich weiß nicht, du hast ja auch schon mal einen Haushaltserlebt der dich dann nach stundenlang warten im vollen Wartezimmer irgendwie, dann bestimmt nicht nur für einen Tag krankgeschrieben hat?
00:12:33: Das natürlich nicht mit Kennenstandard.
00:12:36: und immer das meiste sagt schreiben Sie erst einmal für den Rest der Woche krank!
00:12:40: Und wenn es nicht besser wird kommen sie wieder so... All die Algimäle vor jetzt.
00:12:46: Ja, ganz genau und Ärzte schreiben vernünftigerweise selten nur für vierundzwanzig Stunden kranker.
00:12:52: Das heißt aus einem Tag gezielter Erholung zu Hause wird dadurch, dass es erzwungen ist zum Arzt zu gehen im Regelfall eine mehrtägige AU.
00:13:04: Und das ist nicht nur so ausgedacht diese oder eine Logik, die wir jetzt hier präsentieren sondern das behauptet ja auch das DIW.
00:13:10: Die warnen genau vor diesem Effekt.
00:13:13: Das heißt, strengere Kontrollen können die tatsächlichen Feeltage noch nach oben treiben.
00:13:19: Also ist ja schon fast ein bisschen witzig eigentlich.
00:13:24: Komplexe Gemägellager.
00:13:25: werden die Leute um diese Schwießroutenlaufvermaß zu angehen sich doch krank zur Arbeit schleppen haben wir wieder das Problem des Präsentismus.
00:13:33: auf der anderen Seite dann wer krank arbeitet leist ja deutlich weniger und im schlimmsten Fall steckt dann noch drei Kollegen an der Kaffeemaschine an.
00:13:43: Und am Ende hat er einen Betrieb nicht einen Tag Ausfall von einer Person, sondern vier Leute, die flach
00:13:48: liegen.".
00:13:48: Ja und das finde ich auch das Absurde dabei.
00:13:50: also wir hatten ja eine Lösung und wir tauschen jetzt diese eigenverantwortliche Lösung, die ja sehr pragmatisch war gegen ein ganz starres Kontrollsystem und bei meiner Meinung nach am Ende alle drauf zahlen so.
00:14:05: Ganz viel leicht senken wie die Statistik der Fehlzeiten auf dem Papier Und wie du schon sagst, wir erhöhen eigentlich dadurch nur die Dunkelziffer des Präsentismus.
00:14:14: Wo wir wissen dass der Volkswirtschaftlich viel teurer sogar noch ist.
00:14:19: Na ja und jetzt komme ich nochmal von einer anderen Seite dem aber es mich immer wieder beschäftigt stichwort Bürokratieabbau.
00:14:26: man will ja die Bürokrate abbauen und das ist auch enorm wichtig in Deutschland auch für die Unternehmen.
00:14:34: Aber damit würde man das möglicherweise das System ja mit Millionen zusätzlichen Arzts besuchen.
00:14:40: Fluten, ja?
00:14:42: Und gleichzeitig kommt ihr von der Bundesregierung in der Vorschläge digitaler Satzwege wie Online-Formulare oder Videospressions zu nutzen.
00:14:53: Das widerspricht sich da ein Stück weiter.
00:14:57: Ja, das waren die... die Reaktionen auf die große Kritik, die dann kam.
00:15:01: Da hat man einen Tag später gesagt nein, wir wollen ja auch weiteren Möglichkeiten anbieten.
00:15:05: Das ist echt wirklich die größte logische Bruchstelle im gesamten Entwurf oder?
00:15:12: Also wenn das Argument lautet ... Die telefonische Erkrankmeldung müsse weg weil die Hürde für Missbrauch zu niedrig sei wie kann man dann glauben dass ein Online-Formular.
00:15:24: dieses Problem löst also es genau dieselbe niedrige vielleicht sogar noch niedriger, nur auf einen anderen Kanal verlagert und das ist also wirklich total unlogischer.
00:15:35: Ja klar und gleichzeitig bedeutet das für HA Abteilung und auch da wir es für IT jetzt noch ein administrativen Aufwand.
00:15:44: Manche würden sagen was ist dann ein Albtraum?
00:15:46: Jetzt haben wir die Mühsamen, die EU eingeführt und wenn jetzt das System mit Millionen zusätzlichen Eintagesmeldungen geflutet werden, na ja dann sind sie Digitalen Abrufkanäle zwischen Krankenkassen und Arbeitgebern irgendwann völlig verstopft.
00:16:03: Das ist natürlich ein gigantischer Mehraufwand, das ist richtig, dass wir so einen Kopf
00:16:07: haben.".
00:16:08: Ja genau für die Organisation und für die Ärzte sowieso... Also im Prinzip ersetzen wir hier eine Vereinbarung, die ja auch zwischen der Führungskraft und dem Mitarbeiterinnengetroffen werden und sowohl man gesagt hat okay bleib heute mal in Bett, rube dich gut aus Und jetzt wird es eine hochkomplexe, staatlich verordnete Sache daraus gemacht.
00:16:34: Also ein großes Bürokratie-Monster eigentlich und genau das Gegenteil wollen wir eigentlich schaffen.
00:16:39: Das ist irgendwie so wo man sich schon fragt, wo ist da noch der normale gesunde Menschenverstand?
00:16:45: Ja gut aber lasst uns an dieser Stelle ... Punkt für Punkt genau ran, mal mit einigen Mythen aufräumen.
00:16:52: Die ist auch gerade durch diverse HA-Forunen.
00:16:55: oder wenn man über LinkedIn das Thema verfolgt, heißt dann denn?
00:16:58: viele glauben ja oder oder vermitteln zumindest der Eindruck, dass Staat würde den Unternehmen künftig jegliche Flexibilität nehmen und sie zwingend ab Tag eins einer Testeinzel fordern.
00:17:10: Aber das ist rechtlich gesehen so ja nicht ganz richtig, oder?
00:17:13: Nein, genau gut, dass es anspricht müssen wir genauso sagen.
00:17:18: Das ist wirklich ganz wichtig für die Versachlichung.
00:17:20: Also was passiert gerade?
00:17:23: Also nach den aktuellen Entwürfen geht es primär um die Verschiebung des gesetzlichen Standards, das heißt bisher galt laut § V des Entgelt-Vorzahlungsgesetzes.
00:17:32: Gesetzlich ist die EU ab dem vierten Kalendertag fällig aber der Arbeitgeber darf sie ab Tag eins verlangen.
00:17:39: so dass ist die Regelung bisher.
00:17:42: künftig soll dieser gesetzliche Standard einfach umgedreht werden.
00:17:46: standard ist dann Tag eins, AU.
00:17:50: Aber Abweichung nach oben also großzügere Regelungen ist zum Beispiel im Tarifverträgen sind ja auch schon genannt worden.
00:17:57: Betriebsvereinbarungen die man dann treffen kann oder auch im Arbeitsvertrag kann das dann stehen Die sollen weiterhin möglich bleiben.
00:18:04: Okay das heißt die formelle Dispositionsfreiheit bleibt erhalten.
00:18:09: was mich persönlich an der politischen Argumentation ein Stück weit irritiert hat muss ich zugeben ist die Behauptung Man würde dann damit einfach zu den Verhältnissen zurückkehren, die wir in der Vorcorona-Zeit hatten.
00:18:23: Also da muss ich sagen, sehe ich doch deutlich Diskrepanz zur damaligen Realität.
00:18:28: Ja weil es schlicht falsch ist, Marke.
00:18:31: In der vorcorona Zeit galt im Entgeltvorzahlungsgesetz eben nicht Tag eins als gesetzlicher Standard sondern genau wie heute Tag vier.
00:18:45: Das reine Pandemie liegt, das war lediglich die telefonische EU.
00:18:50: Die Politik nutzt nun also die Abschaffung dieser telefonischen Erleichterungen um eine strukturell völlig neue Nachweislogik einzuführen als gesetzlichen Standard und das ist keine Rückkehr zur alten Rechtslage sondern das ist eine ja ich würde mal sagen eine Verschärfung der baseline der gesetzliche Basel an wie wir sie haben hatten.
00:19:12: Okay,
00:19:12: das ist dann natürlich ein entscheidender Unterschied.
00:19:14: Früher war der gesetzliche Default das Vertrauen für drei Tage und erst eine individuelle Entscheidung des Arbeitgebers führte zu Tag eins.
00:19:23: und jetzt soll das Misstrauen bzw die Kontrolle der gesätzlichen Default werden.
00:19:28: vertrauen wird damit plötzlich so ein Stück weit begründungspflichtig?
00:19:32: Ja genau und das könnte im Alltag zu einer ich sag mal sehr bequemen Führung führen, aber auch vielleicht zu einer sehr ungesunden Führungen.
00:19:42: Also ich sehe jetzt schon H-Abteilung von mir die sagen wir würden euch ja gerne vertrauen, aber das Gesetz sieht nur jetzt Nummer Tag eins vor so.
00:19:51: Man nutzt den Gesetzgeber als Argument um diese individuellen Führungsentscheidungen, die über HA hinausgehen also bis zur Teamleitung etc.
00:20:00: eigentlich aus dem Weg zu gehen und dabei zeichnet sich gute Führer doch genau dadurch aus individuell hinzusehen, bei auffälligen Fehlzeiten das persönliche Gespräch zu suchen etc.
00:20:12: Und wenn wir das jetzt pauschal über alle stolpen dann befürchte ich entziehen wir uns dieser Führungsaufgabe.
00:20:20: Naja und wir lösen.
00:20:21: letztendlich ist es eigentlich ein Problem nicht denn wer das System gezielt ausnutzen will ja den hält auch eine neue baseline nicht auf aber am Ende verbleibt die gesamte Verantwortung doch ohnehin dem unternehmen.
00:20:37: Und jetzt kann man zum Punkt umnehmen, dass es eigentlich geht.
00:20:41: Na ja?
00:20:42: Warum werden die Menschen bei uns im Unternehmen krank?
00:20:45: oder was sind die Ausfallgründe?
00:20:46: oder stärker als woanders und das können wir ganz konkret tun selbst anstatt auf den Gesetzgeber zu hoffen oder sozusagen uns dann auf den Mechanismus des Prozesses was bei Krankheitstagen in Hinblick oft die A-U zutun ist zu konzentrieren.
00:21:03: Man muss doch an die Wurzel gehen.
00:21:05: Richtig!
00:21:05: Ja Und genau an diesem Punkt müssen wir anknüpfen.
00:21:09: Ich sag mal, oft wird ja so im HR-Kontext oder auch im Gesundheitsthemen und so weiter reflexartig nach Prävention gerufen.
00:21:16: Aber mal ehrlich der Begriff ist da mittlerweile fast schon ein bisschen verbrannt.
00:21:20: Also er klingt ja so nach riesigen Projekten, Theorie ... Zehnteopskorb ne?
00:21:27: Und während des Dienstplags morgens früh um sechs kollabiert ganz andere Themen auf dem Tisch liegen.
00:21:33: Wie kommen wir da in ein echtes, wirksames Handeln?
00:21:36: Das ist doch wirklich die Frage, die wir uns stellen müssen.
00:21:39: Ja, wie kommen wir in eine echtes Wirksammer Handeln?
00:21:41: wahrscheinlich indem wir uns den unbequem Fragen stellten?
00:21:45: Nämlich warum werden die Menschen bei uns krank?
00:21:48: Welchen Anteil hat unsere Arbeitsorganisation daran?
00:21:52: Wie führen wir und wo sind wir vielleicht bewusst oder unbewusst Teil des Problems?
00:21:59: aber das erfordert natürlich Mut und Ehrlichkeit.
00:22:03: Ja, es ist ja vielleicht sozusagen... Die Leute sind einfach weniger belastbar als früher.
00:22:09: Als das eigene System zu den Fragen.
00:22:12: Aber genau ist das doch eigentlich der Kern der täglichen Arbeit erstmal genau hinzuschauen und zu verstehen.
00:22:20: Und zwar wirklich zu verstehen anstatt hier mit der Gießkanne irgendwelche Maßnahmen zu verteilen.
00:22:26: Ganz genau!
00:22:27: Das bedeutet dann auch zum Beispiel Fehlzeiten die Quote oder die Zahl eben nicht nur als anonyme Statistik zu verwalten, sondern auch als Muster zum Verstehen.
00:22:39: Also haben wir Abteilungen mit auffällig hoher Fluktuation und Krankheitsquote.
00:22:44: Liegt es an der Führung z.B.
00:22:46: vor Ort?
00:22:47: Oder auch an mangelnden Erholungszeiten wie auch immer?
00:22:49: Oder liegt es an Prozessen, die Leute permanent frustrieren oder auch Mürbe machen?
00:22:54: Ja bitte schon sagst genau hinzuschauen um dann auch in der eigenen Situation zu arbeiten.
00:23:00: Das ist doch eigentlich das ureigendste Interesse der Unternehmen.
00:23:04: Dabei dürfen wir den Blick eben nicht nur tunnelartig auf diejenigen, die nicht da sind, denn gestern waren sie ja da.
00:23:13: Sondern was ist mit dem Menschen, die morgens noch zur Arbeit kommen?
00:23:15: Die können aber eigentlich an der einen oder anderen Stelle schon längst über dem Limit laufen.
00:23:22: Ich glaube wenn wir nur auf die Fehlzeitenstatistik schauen wie das Kännchen von der Schlange Dann übersehen wir völlig das eigentliche große Thema Präsentismus.
00:23:35: Wir hatten es ja vorhin schon kurz angesprochen.
00:23:38: Menschen sind da, sie haben keine Fehltage aber aus unterschiedlichen Gründen.
00:23:44: Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft eben nicht voll im Einsatz oder sind teilweise gesundheitlich schon auf dem Sprung in den Ausfall.
00:23:56: Ja genau!
00:23:57: Das ist die Kehrseite, ne?
00:23:59: Und wirklich ein reiner Blick auf die Fehltage greift einfach zu kurz.
00:24:04: Wir müssen verstehen was mit den Menschen eigentlich los ist sowohl bei denen sie fehlen als auch bei denen die noch versuchen irgendwie das System aufrechtzuhalten.
00:24:12: und ich verstehe ja auch alle Führungskräfte und Unternehmer die dann auch zurechts sich beschweren.
00:24:19: Die anderen müssen das alles auffangen und die Mitarbeitenden auch.
00:24:22: untereinander gibt es schon Streit.
00:24:24: Aber erst wenn ich diese Hintergründe wirklich verstehe, wenn ich da wirklich ran gehe.
00:24:29: Dann kann ich auch bewerten wo wir aus eigener Kraft vor allen Dingen ja auch als Unternehmen das schaffen können also gänzlich ohne politische Reformen oder Krankenkasseprogramme und hoffentlich auch nicht so zu viel davon sich anzunehmen was da gerade passiert dann weiß ich auch wo ich wirklich effektiv ansetzen kann.
00:24:48: Das ist aus eigener Krafthandel, wie du sagst.
00:24:50: Zu guter Begriff.
00:24:51: Ich finde das ist wahrscheinlich der entscheidende Hebel und da geht es ja oft gar nicht um die ganz großen teuren Veränderungen.
00:25:00: Ja?
00:25:00: Das ist vielleicht hier an der einen Stelle mal die Flexibilisierung von Arbeitszeiten um pflegender Angehörige zu entlasten oder ist das notwendig?
00:25:09: geklären von Schnittstellen wo massiver Stress unnötig entsteht oder eine Führungskultur, die signalisiert hey wir sehen was du leistest und umgekehrt.
00:25:21: Wir sprechen auch Probleme offen.
00:25:22: wird es jetzt sind an?
00:25:24: ja es sind ja die Menschen sind wie sie sind und das sind ja oft kleinere Dinge die der dann große Auswirkungen haben können.
00:25:30: richtig und selbst wenn Es daran liegt, dass vielleicht der eine oder andere keine Lust mehr hat.
00:25:35: Selbst wenn es diese Bettkanten Entscheidungen gibt – ich will das noch mal sagen selbst wenn weil das ja auch gerade von Vorständen, Führungskräften und so weiter immer wieder ins Feld geführt – die Menschen haben irgendwie nicht mehr so die Lust.
00:25:46: Selbst dann!
00:25:47: Wenn es so wäre im übertriebenen Ausmaß was es ja nicht ist aber….
00:25:51: Dann könnte ich mich trotzdem fragen woran liegt das denn?
00:25:53: Und dann könnte ich mir trotzdem fragen liegt es auch an uns oder in unserer Dynamik, die wir im Unternehmen haben, liegt es an unserer Kultur?
00:26:01: Kann ich da trotzdem irgendwas machen und nicht einfach zu sagen, Hände hoch?
00:26:05: Okay.
00:26:05: Wir machen hier mehr Druck und dann ändert sich etwas.
00:26:08: Weil es ändert dich dadurch gar nichts.
00:26:10: Vielleicht sogar wird es dadurch schlimmer Misstrauen vielleicht noch mehr als vorher.
00:26:15: die Kultur, die vielleicht angeknackst ist, wird dadurch nicht automatisch besser.
00:26:18: Und deswegen sollten wir diese echten Hebeln, die das Unternehmen jedes einzelne Jahr hat ... Die macht uns ja kein Gesetz kaputt.
00:26:26: Aber es nimmt sie uns eben auch nicht ab!
00:26:28: Also das bleibt.
00:26:30: Und wer jetzt vielleicht sogar panisch nach Kontrollwerkzeugen sucht, also das ist ja wirklich auch eine schwierige Zeit gerade für viele.
00:26:39: Aber der delegiert seine Führungsverantwortung an den Staat und das behalte ich für einen sehr schweren Fehler!
00:26:47: Ich glaube, positiv gesagt wäre stattdessen wirklich seine Energie nutzt und seinen Fokus auch auf die eigenen Arbeitsbedingungen richtet.
00:26:58: Diese gesund leistungsfördernd zu gestalten attraktiv, der schützt nicht nur seine eigene Mitarbeiter sondern stärkt natürlich die Arbeitgebermark
00:27:09: etc.,
00:27:09: aber tut leistet sogar was für die Gesellschaft.
00:27:11: also das ist ich glaube ganz entscheidend dass man das versteht es da eine riesen Chance liegt in unserer Gesellschaft und für jedes Unternehmen.
00:27:19: Ja, das ist doch ein hervorragendes Schlusswort!
00:27:21: Wenn ich die Dinge nicht in der eigenen Hand habe kann ich viel stärker verändern als übergorte politische Themen ja?
00:27:29: Und dann lass uns doch mal wenn wir diese Folge zusammenfassen sagen klare Botschaft Lasst euch nicht ablenken.
00:27:38: Von Scheindebatten um Atteste, Abtag eins oder die abschaffut telefonischen AUs auch wenn sie gerade großen Raum nehmen.
00:27:47: Platziert das vielleicht eh mal in der Ecke der Symbolpolitik und schaut wo die wahren Lösungsansätze liegen können nämlich in einer eigenen Handlungsfähigkeit in den Betrieben hinschauen verstehen und dort ansetzen wo man selbst wirksam verändert kann.
00:28:04: Deshalb kann man es nicht sagen, Marc.
00:28:06: Also am Ende ist Vertrauen kein Risiko sondern die wirtschaftlich würd ich sagen vernünftigste Investition in die Zukunft.
00:28:15: Da liebe Hörerinnen und Hörern dann bedanken wir uns für das zuhören bei dieser Episode von endlich Montag diskutiert gerne mit uns auf LinkedIn oder in den Kommentaren wie sieht das in eurem Betrieben aus?
00:28:27: Wie geht man mit dem Thema Fehlzeiten um?
00:28:29: Wir freuen uns wie immer auf euer Feedback
00:28:32: Bis zum nächsten Mal, bleibt gesund und handlungsfähig.
00:28:36: Bis
00:28:37: Montag!
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